„Was du gibst, darf auch zu dir zurückkommen“

Runenflüstern Nr. 7 Gebo
„Was du gibst, darf auch zu dir zurückkommen“
Willkommen zurück bei Runenflüstern – oder vielleicht auch: Willkommen zum ersten Mal.
In dieser Serie schreibe ich keine Fachartikel über Runen – sondern Briefe. Innere Gespräche. Erinnerungen.
Manchmal sanft. Manchmal klar. Aber immer ehrlich.
Jede Rune im älteren Futhark trägt eine tiefe, lebendige Bedeutung.
Sie sind nicht bloß Zeichen – sie sind Echos deiner Seele.
Und jede von ihnen berührt einen Teil von dir, der vielleicht gerade gesehen werden will.
Heute spricht Gebo – und sie spricht in Form von Verbindung.
Nicht in Abhängigkeit. Nicht in Pflicht.
Sondern in echtem, freien Austausch.
Gebo – Die Rune des Gleichgewichts
Gebo sieht aus wie ein Kreuz. Zwei Linien, die sich in der Mitte treffen.
Ein Geben. Ein Empfangen.
Ein Du. Ein Ich.
Ein Punkt dazwischen, an dem wir uns freiwillig begegnen – nicht aus Mangel, sondern aus Fülle.
Diese Rune fragt nicht: „Was kannst du leisten?“
Sondern: „Was gibst du freiwillig – und was nimmst du wirklich an?“
Denn wahre Verbindung braucht beides.
Nicht nur geben, um geliebt zu werden.
Nicht nur empfangen, um satt zu werden.
Sondern ein Fluss. Ein Tanz. Ein gegenseitiges Erkennen.
Gebo ist wie ein heiliger Vertrag – kein erzwungener Pakt, sondern ein Ja, das aus Freiheit kommt.
Sie zeigt sich in Freundschaften, in Liebesbeziehungen, in deinem Umgang mit der Welt.
Sie zeigt sich auch in deiner Beziehung zu dir selbst.
Denn wie oft gibst du anderen alles –
…und vergisst dich selbst?
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Du kommst zu mir, Gebo, als leises Innehalten.
Du stellst dich nicht zwischen mich und die Welt –
du verbindest.
Aber nicht wahllos.
Nicht zu jedem Preis.
Ich sehe dich. Deine Linien. Dein Kreuz.
Und plötzlich spüre ich:
Verbindung ist nicht Verschmelzung.
Verbindung braucht Raum.
Zwei Pole, die sich begegnen, ohne sich aufzulösen.
Ich denke an all die Male, in denen ich gegeben habe, obwohl ich leer war.
Aus Angst, sonst nicht zu genügen.
Aus Hoffnung, etwas zurückzubekommen.
Und du, Gebo, schaust mich ruhig an.
Du sagst nicht, dass Geben falsch ist.
Du sagst: „Wähle bewusst.“
Was du gibst. Wem du gibst.
Und ob du bereit bist, auch zu empfangen.
Ich merke, wie schwer mir das fällt.
Nicht das Geben – das ist leicht.
Aber das Annehmen.
Ein Kompliment.
Hilfe.
Zuwendung.
Ohne mich dafür zu entschuldigen.
Du erinnerst mich daran, dass Liebe keine Währung ist.
Dass Verbindung nicht bedeutet, sich selbst aufzugeben.
Und dass echter Austausch nur entstehen kann, wenn ich mir selbst genauso viel Wert gebe wie anderen.
Ich höre dich sagen:
„Du bist kein Brunnen, der sich ständig leert. Du bist Teil eines Kreislaufs. Wenn du gibst, darf auch etwas zu dir zurückkommen.“
Und ich spüre:
In diesem Gleichgewicht liegt Heilung.
Kleines Gebo-Ritual für Ausgleich & Beziehung
Suche dir heute einen Moment der Stille.
Zünde, wenn du möchtest, eine Kerze an – als Symbol für das, was du geben möchtest.
Lege deine linke Hand auf dein Herz, deine rechte auf deinen Bauch.
Sprich innerlich oder laut:
„Ich gebe in Liebe. Ich empfange in Würde. Ich bin verbunden – ohne mich zu verlieren.“
Stelle dir dann zwei Fragen – und schreibe die Antworten ehrlich auf:
-
Was gebe ich gerade – und warum?
-
Was darf ich empfangen, ohne Schuldgefühl?
Wenn du möchtest, schreibe heute jemandem eine Nachricht, ohne etwas zu erwarten.
Oder nimm eine liebevolle Geste bewusst an, ohne sie kleinzureden.
Beides ist Teil desselben Kreises.
Gebo erinnert dich:
Wahre Verbindung braucht Freiwilligkeit.
Liebe ist keine Leistung.
Und du bist es wert, zu geben –
aber auch:
zu empfangen.
Herzlichst
Runa
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